Winsen (Luhe). Die Fischtreppe in Winsen (Luhe), die meerwandernden Fischarten wie Aalen, Lachsen, Meerforellen und Meerneunaugen den Auf- und Abstieg im Fluss ermöglichen sollte, funktioniert seit Jahrzehnten nicht. Dieses Problem ist nicht nur ökologisch besorgniserregend, sondern steht auch im Widerspruch zur EU-Natura-2000-Verordnung sowie der Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten ökologischen Zustand der Gewässer fordert. CDU-Landtagsabgeordneter André Bock hat sich nun selbst vor Ort ein Bild der Lage gemacht und die Situation von Ralf Kanstorf, Mitglied im Sportanglerverein SFV Elbe Hamburg und ehrenamtlich im Meerforellenprogramm an der Luhe tätig, erläutern lassen.
„Die Situation an der Luhe ist ein unhaltbarer Zustand, der seit Jahren bekannt ist. Wir zahlen bereits Strafgelder an die EU, weil die vorgeschriebenen Standards nicht eingehalten werden, während gleichzeitig keine Fortschritte in Richtung einer Lösung erkennbar sind“, kritisiert Bock.
"Seit über 20 Jahren gibt es an der Luhe in Winsen eine Turbine zur Stromgewinnung und keine funktionierende Fischtreppe trotz bestehender Natura2000-Verordnung/EG-Wasserrahmenrichtlinie. Die meerwandernden Fische wie Aale, Lachse, Meerforellen und Meerneunaugen verletzen sich erheblich an einer Wannenpassage, die eigentlich zum Durchschwemmen von Dreck und Totholz (an der Turbine vorbei) gedacht ist. Alle (!) 4 Fischarten stehen mittlerweile auf der roten Liste für bedrohte Tierarten. Es ist ein Skandal, dass dieser Zustand offenbar toleriert wird", sagt Ralf Kanstorf.
André Bock hat sich nun mit einer Anfrage an das Land Niedersachsen gewandt, um den Status zu klären sowie Lösungsperspektiven einzufordern. Auf europäischer Ebene ist hierzu der Hamburger CDU-Europaabgeordnete Niclas Herbst eingebuden und hat auf Initiative von Ralf Kanstorf ein Schreiben an die EU-Kommission verfasst.
Hintergrund: Jahrzehntelange Probleme ohne Lösung
Die Fischtreppe wurde 1984 nach siebenjähriger Planung gebaut und kostete damals 450.000 D-Mark, von denen der Sportfischerverein „Elbe“ Hamburg e.V. 50.000 D-Mark übernahm. Doch schon kurz nach Fertigstellung erwies sich die Konstruktion als unbrauchbar, da durch die Verpachtung des Wasserrechts zur Stromgewinnung der Wasserstand so verändert wurde, dass die Fischtreppe keinen ausreichenden Wasserdruck mehr erhielt.
Als vorübergehende Maßnahme wurde eine provisorische Wannenpassage geschaffen, die jedoch nur bei genügend Wasserdruck für ein schmales Zeitfenster von etwa zwei Stunden zwischen Ebbe und Flut passierbar ist. „Diese Passage ist keine langfristige Lösung. Bei Hochwasser ziehen sich die Fische erhebliche Verletzungen zu, da sie gegen die Deckenwand springen. Es ist beschämend, dass wir ihnen so etwas zumuten“, so André Bock weiter.
Anfrage an das Land Niedersachsen
Um Licht ins Dunkel zu bringen und endlich Schritte in Richtung einer funktionierenden Lösung einzuleiten, stellte André Bock u.a. folgende Fragen an die Landesregierung:
- Wie ist der aktuelle Sachstand der Fischtreppe in Winsen (Luhe)?
- Aus welchen Gründen ist die Fischtreppe in Winsen (Luhe), trotz der geltenden Natura2000-Verordnung/EG-Wasserrahmenrichtlinie, noch nicht umgesetzt?
- Wann ist mit der Umsetzung der Fischtreppe in Winsen (Luhe) zu rechnen?
„Andere Kommunen zeigen, dass es machbar ist. An der Este bei Buxtehude wurde bei einem ähnlichen Problem mit einem Umlaufgerinne eine Lösung geschaffen, die sowohl den ökologischen Anforderungen entspricht als auch nachhaltig funktioniert. Auch der Forderung der Wasserrahmenrichtlinie zur Schaffung eines guten ökologischen Zustandes wurde damit nachgekommen“, erklärte Bock und fordert die zuständigen Stellen auf, endlich Verantwortung zu übernehmen.
André Bock kündigt an, den Vorgang weiter eng zu verfolgen und die Interessen von Umwelt und Bürgern gleichermaßen zu vertreten.